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ASTROLOGIE DER „HAMBURGER SCHULE”

09. APR

Das Planetenbild

Das Planetenbild

Mit freundlichen Genehmigung
des Witte-Verlages: www.witte-verlag.com

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Das Planetenbild
(Auf dem Beispiel des Horoskopes von Goethe)

Ein Planetenbild wird von drei Planeten geformt, wenn einer von ihnen in der Mitte der beiden andern steht.

Drei Planeten können nun in sechs verschiedenen Stellungen zueinander sein, es kann jeder von den dreien zweimal in der Mitte liegen.

Die Anzahl der Versetzungen (Permutationen), die auftreten können, richtet sich nach dem Produkte der Ordnungszahlen.

Hat man drei Planeten, so ist die Anzahl der Permutationen oder Umstellungen 1 X 2 X 3 = 6, bei vier Planeten ist sie 1 X 2 X 3 X 4 = 24, bei fünf Planeten 1 X 2 X 3 X 4 X 5 = 120 uzw.

Sind a, b, c, die Planeten, so kann die Reihenfolge sein:

c, b, a

a, c, b

b, a, c

a, b, c

b, c, a

 c, a, b

 Die Stände denke man sich vom Erdmittelpunkte, vom Nord-Pol der Ekliptik aus gesehen und von rechts nach links, in der Aufeinandefolge der Tierkreiszeichen, gelesen.

Ist in einem Radixhoroskop eine solche Komplexion oder ein Planetenbild vorhanden, so wirkt es auch als solches, wenn der ein mittlere Planet nicht genau in der Halbsumme der beiden anderen steht. Aber bei laufenden Planeten wirkt das Bild an dem Tage, an welchem der mittlere genau in der Halbsumme der beiden zugehörigen Planeten liegt.

Die Kräfte zweier Planeten treten vereint in ihrer Symmetrieachse oder in ihrer Halbsumme auf.

Steht ein Planet genau in der Halbsumme der beiden anderen, so ist der mathematische Ausdruck dafür: a+c-b=ac.

a c ist halbsumme von a+c, der Bruchstrich zwischen beiden Planeten deutet die Symmetriachse an.

Bei Radixplanetenbildern gewährte man dem mittleren Planeten einen Spielraum, und auch dann wird dieselbe Schreibweise für diese Komplexion angewendet.

Liegt b nicht in der Mitte von a und c, sondern etwas nach rechts, sodaß b von einem laufenden Planeten früher berührt wird, so tritt die Wirkung erst dann ein, wenn der Planet den

sensitiven Punkt

des P l a n e t e n b i l d e s berührt.

Ein sensitiver Punkt ist also das fehlende Element eines nicht symmetrisch geformten Planetenbildes, das zur Herstellung der Symmetrie diesen Punkt verlangt.

Es ist dann a+c-b=P oder a-b+c=P. Stehen in einem Horoskop die Planeten so, daß annähernd je zwei Planeten gleiche Bogenunterschiede zeigen, so ist die Summe der beiden innerhalb stehenden gleich der Summe der beiden das Bild abschließenden Planeten (Zeichnung 1.).

Zeichnung 1.

Die Halbsummen bilden die gemeinschaftliche Symmetrieachse des Planetenbildes.
Tritt nun in die Symmetrieachse eines solchen Planetenbildes ein laufender, ein vorgeschobener oder ein progressiver Planet, so hat schon ein von fünf Planeten gestelltes Planetenbild. 

Wird die Halbsumme zweier Planeten in die Symmetrieachse eines Planetenbildes gefürt, so ergibt sich ein Planetenbild mit sechs Planeten.
Stehen in einem Horoskop je zwei Planeten in Konjuktion miteinander, so stellen sie zusammen ein Planetenbild.

Auch Quadraturen und Oppositionen je zweier Planeten zeigen ebenfalls Planetenbilder.

Haben die Summen von je zwei Planeten gleiche Werte in den Quadranten, so formen sie Planetenbilder miteinander.

Schließen zwei Planeten den Erdmeridian oder den Solstitialkolur ein, so wirken beide Planeten auf die Erdachse und zeigen somit, daß auch schon zwei Planeten mit einem unsichtbaren Punkt ein Planetenbild geben können.

Schließen zwei Planeten den Aequator oder einen Nachtgleichenpunkt ein, so wirken beide auf den Mittelpunkt der Erde und auf das ganze Erdsystem.

Was von den Angelpunkten der Erde gesagt ist, gilt auch für jeden Meridian und für den Aszendenten und Deszendenten.

Stehen also zwei Planeten in gleichem Abstande vom Geburtsmeridian einer Person, so sind beide Planeten Herrscher der Geburtsminute und zeigen als progressive, vorgeschobene oder laufende Planeten in den Horoskopen anderer Personen diese betreffende Person.

Man richte aber dann noch die Aufmerksamkeit auf die Halbsumme der, Planeten, da diese den Geborenen charakterisieren.

Goethe hatte die Venus am oberen, den Jupiter am unteren Meridian (Zeichnung 2.), stellte also das Liebesglück (VE, JU) in persona dar; die Halbsumme dieser Planeten in den Zeichen Schütze und Zwillinge liegend, brachten ihm durch deren Herren Uranus und Venus (Zeichnung 3.) und durch die Direktion des Uranus zum Jupiter und zur Venus das Zusammenleben mit Chr. Vulpius.

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Daten zum Horoskop Goethes von L.Rudolph ("Der Mensch...", S. 53):

 

 Faktor   Grade  Tierzeichen  Faktor  Grade 

  Tierzeichen 

 SO 05.09  Jungfrau MC 03.56 Jungfrau
 MO 11.42  Fische AS 16.59 Skorpion
 ME 25.54 Löwe CU 14.58 Schütze
 VE 26.24 Jungfrau HA 04.10 Waage
 MA 03.47 Steinbock ZE 13.32 Fische
 JU 26.00 Fische KR 01.36 Steinbock
 SA 14.48 Skorpion AP 14.54 Stier
 UR 18.54 Wassermann AD 22.49 Schütze
 NE 26.36 Krebs VU 04.06 Fische
 KN 03.30 Schütze PO 04.48 Krebs
 PL 05.00 Schütze - -  - 
 

Zeichnung 2. Das präzisierte Horoskop Goethes:

 

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Zeichnung 3. Herren der Tierzeichen nach A.Witte.

  

 

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In diesem Horoskop ist nämlich auch Bogenunterschied von Sonne und Venus annähernd gleich dem Bogen von Mond und Uranus, es ist demnach das Planetenbild (Zeichnung 4.)

SO - - VE - - - - UR - - MO

vorhanden, das in der Summe SO+MO Freundschaft und in der Summe VE+UR Liebesspiel oder verfeinerte Erotik zeigt.

Zeichnung 4.

 

 

Ein zweites Bild (+ Zeichnung 5.),

VE - - SA - - MA,

der Saturn zwischen Venus und Mars stehend, zeigt die vielen Trennungen der erotischen Verbindungen Goethes.

Zeichnung 5.

 

 

Die Abneigung für eheliche Verbindung liegt in dem Bilde (+ Zeichnung 6.)

MO - - - MA - - SA - - - SO

oder in den Summen

SO+MO=SA+MA,

Freundschaft und Trennung.

Zeichnung 6.

 

 

Eine Heirat kam trotzdem zustande, weil neben dem Bilde

ER - - - C – MA - - - JU

der sensitive Punkt

P - - JU - - - - SO - - VE

von dem laufenden Cupido ausgelöst wurde.

Es war also: VE+JU=MA+ Cupido rad. Und

SO+JU=VE+ Cupido laufend.

Auch das Bild (Zeichnung 7.) (SO+VE)/2 C rad. oder SO|VE C.

Zeichnung 7.

 

zeigt wenig Neigung für den Ehebund durch die Quadratur des liebenden Mannes (VE, SO) zum Eheplaneten Cupido. Dieses Bild wirkte jedoch auf die Mädchen wie eine Fliegenfalle.

Die bisher übliche Methode, die sensitiven Punkte nur mit dem Aszendenten zu rechnen, haben für zwei Planeten nur 2 Punkte ergeben, nämlich a-b+Asz und b-a+Asz.

Nach der vorhergehenden Kombinationslehre müssen aber ein Punkt (Aszendent) und zwei Planeten immer 6 verschiedene unsymmetrische Planetenbilder zeigen.

Diese 6 Bilder werden rechnerisch durch die Formeln a+b-Asz., a+Asz.-b und b+Asz.-a ausgedrückt, deren Gesamtbeziehungen in dem Punkte a+b+Asz. zusammenfallen. Dieser Punkt ist der Spiegelpunkt der vorgenannten 3 Punkte zu den Summen a+b, a+Asz. und b+Asz. [1*] und verbindet die Halbsumme der Planeten mit dem Spiegelpunkte des Aszendenten zum Erdmeridian, denn wenn man den Aszendenten vom Erdmeridian (90+270) subtrahiert, also den Spiegelpunkt feststellt und diesen wieder von der Summe (a+b) subtrahiert, erhält man (a+b) – (-Asz.)=a+b+Aszendent. (Zeichnung 8.)

Zeichnung 8.

 

Alle sensitiven Punkte basieren auf den Halbsummen. Die Halbsumme zweier Planeten ist die Symmetrieachse oder die Spiegelebene, zu der alle Planeten Spiegelbilder werfen. Die Summe zweier Planeten ist schon ein sensitiver Punkt des Erdhoroskopes, denn a+b-WI Punkt=a+b.

Dasselbe gilt von den Differenzen, denn a+WI Punkt-b=a-b.

In Goethes Horoskop wurde das Bild (Zeichnung 9.):

MO----ME-SO----UR

Von der vorgeschobenen Halbsumme MA SA berührt, so daß der Tod Goethes in den Summen (MO+UR)=(ME+SO)=(MA+SA) auftrat. (Zeichnung 10.)

Zeichnung 9.

 

 

Zeichnung 10. 

 

Auch der Todespunkt des Geburtstages MA+SA-SO=13°37 (Fi) um den Sonnenbogen des Todes 81°32, vorgeschoben = 5°09 (Zw) stand in Quadratur zur Radixsonne 5°06 (Jg), und X-NE (NE im 8. Hause des Meridians)+SO Bg. 81°32' = 18°52 (Lw) stand in Konjunktion mit dem Punkte MA+SA-WI=18°43 (Lw) und in Opposition zum UR rad. 18°57 (Ws). (Zeichnung 11.)

Zeichnung 11. 

 

Haben je zwei Planeten annähernd gleichen Bogenunterschied, z.B. bei Goethe VE-SO=21°18 und MO-UR=22°18, so wirkt das betreffende Planetenbild in den Jahren, wenn der Sonnenbogen von SO progr.-SO rad. die halben Bögen, die ganzen Bögen und die doppelten Bögen der Unterschiede der Betreffenden Planeten zeigt.

Goethes Radixsonne steht 5°06‘ (Jg) am 28.August 1749. Die Sonne durchläuft im August in einem Tage 0°58. Vom 28. August bis 0. Januar 1750 sind annähernd 4 Monate verflossen, das sind im Bogen 0°19, also steht die vorgeschobene oder die progressive Sonne am 0. Januar 1750 = 5°25 (Jg).

Nimmt man jetzt die Ephemeris von 1923 zur Hand und sucht den betreffenden Sonnenstand, so muß zum Stande vom 29. August 1923 = 5°06 (Jg) noch 0°19 addiert werden, um den progressiven Sonnenstand Goethes am 0. Januar 1750 zu erhalten.

Demnach sind jetzt zu allen folgenden Tagen, die immer ein Jahr zeigen, 0°19 zu addieren, um den jedesmaligen 0. Januar zu erhalten.

Man addierte jetzt die beiden Bögen 21°18 und 22°18 zur Radixsonne 5°06 (Jg) und erhält 26°24 (Jg) und 27°24 (Jg), die die progressiven Stände der Sonne geben und deren Stände am 19. September 25°50 (Jg) und am 20. September 26°48 (Jg) den Jahresanfang für Goethe zeigen.

       Der Monat August hat 31 Tage.

+ 19. September = 19 Tage.

= 50 Tage.

- 29. August = 29 Tage.

= 21 Tage oder Jahre.

+ Jahr 1750.

gibt das Jahr 1771= 25°50 (Jg) am 0. Januar

und das Jahr 1772= 26°48 (Jg) am 0. Januar.

Demnach liegt VE-SO Ende Juli 1771 und

MO-UR Anfang Juli 1772, was auf

Die Verbindung mit Charlotte Buff im Juni 1772 (Werthers Leiden) hinweist. Auch die Bekanntschaft mit Friederike Brion im April 1770 in Straßburg hängt mit dem Planetenbild SO+MO=VE+UR zusammen. Die einzelnen Tage sind abhängig von gleichen oder ähnlichen am Himmel auftretenden Planetenbildern und den laufenden Planeten in den Halbsummen der Radixplaneten.

Die Unglückliche Liebschaft Goethes liegt in dem Punkte

VE+NE-SO = Opp. UR =MA+SA oder

VE+NE=MA+SA+SO=SO+UR

Der auch zur selben Zeit fällig war. Die schriftstellerische Bearbeitung dieser Angelegenheit ist gegeben durch den Stand des ME zwischen VE und NE, der außerdem noch eine Konjunktion mit der Sonne aufweist, wodurch die Öffentlichkeit Kenntnis erhielt.

 

Quelle:

Alfred Witte, «Der Mensch – eine Empfangsstation kosmischer Suggestionen». 40 Originalartikel Wittes, kommentiert von Hermann Sporner. Ludwig Rudolph (Witte-Verlag), Hamburg 62.

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Kommentar______________________

[1*] - D.h. A.Witte weist auf die nächsten Gesetzmäßigkeiten / Regel hin:
1. (a+b)=(a+b+Asz)/(a+b-Asz) (wo «/» - bezeichnet ein Mittelpunkt) oder 180°= (15°+345°) : 2 = 180°, d.h. 180°=180°;

2. (b+Asz)=(a+b+Asz)/(b+Asz-a) oder 235°=(15°+95°) : 2 = 55°. Mit Berücksichtigung der Achsenbetrachtung: +180° → 55°+180°=235°, d.h. 235°=235°;

3. (a+Asz)=(a+b+ Asz)/(a+Asz-b) oder 335°=(15°+295°) : 2 = 155°. Mit Berücksichtigung der Achsenbetrachtung: +180° → 155°+180°=335°, т.е. 335°=335°.

Wie auch:

1. (a+b+Asz)= (a+b) + (a+b) – (a+b-Asz) oder (a+b+Asz)=2(a+b) – (a+b-Asz)
2. (a+b+Asz)= (b+Asz) + (b+Asz) – (b+Asz-a) oder (a+b+Asz)=2(b+Asz) – (b+Asz-a)
3. (a+b+Asz)= (a+Asz) +(a+Asz) – (a+Asz-b) oder (a+b+Asz)=2(a+Asz) – (a+Asz-b)

Daraus folgt: (a+b+Asz)=(2(a+b) – (a+b-Asz))= (2(b+Asz) – (b+Asz-a))= (2(a+Asz) – (a+Asz-b)). Mit Berücksichtigung, dass die Größe des Kreises ist 360° und jedesmal, wenn die Größe ist über 360, muß man diese Größe in die Übereinstimmung bringen.

________________________________________________________ von Aleksandra Jakovleva

 

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(c) Zeichnung 3. Autor Michael Feist.

(c) Zeichnungen und Gestaltung: Aleksandra Jakovleva  

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Die Vorbereitung des Materials für www.astropolis.lv : Aleksandra Jakovleva.

Berechnungen & Grafiken: AstrologicPC

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Eine russische Übersetzung des Artikels finden Sie hier: Альфред Витте. "Планетная картина" (на примере гороскопа Гёте)